Die Trachten des Schwarzwaldes in ihrer heutigen Form entstanden erst im 17. und 18. Jahrhundert. Aufgrund der konfessionellen Zugehörigkeiten und der unterschiedlichen historischen Entwicklung vieler Orte unterschieden sich die Trachten des Schwarzwaldes schon von Anfang an teilweise deutlich voneinander. Eines aber haben alle Schwarzwälder Trachten gemeinsam: Sie sind in besonderer Weise in die kirchliche Tradition eingebettet und zwar sowohl in die evangelische als auch in die katholische. Dies ist auch der Grund, warum die Trachten vor allem anlässlich der großen Kirchenfeste, wie zum Beispiel Erntedank, Fronleichnam, Erstkommunion, Konfirmation oder Kirchweih getragen werden.
Der Bollenhut
Aufgrund zahlreicher bildlicher Darstellung hat sich die Tracht, die im Gutachtal getragen wird, als Schwarzwälder Tracht in das kollektive Gedächtnis eingeprägt. Schuld daran ist nicht zuletzt die ungewöhnliche und auffallende Kopfbedeckung der Frauen, die so nur in dieser Region getragen wird. Der Bollenhut ist ein breitkrempiger, weißgekalkter Strohhut, der vierzehn auffallende Bollen aus Wolle trägt, die kreuzförmig angeordnet sind. Ist die Farbe der Bollen Rot, so ist die Hutträgerin unverheiratet. Verheiratete Frauen tragen einen Hut mit schwarzen Bollen. Der Bollenhut kann ein Gewicht von bis zu zwei Kilogramm aufweisen. Mädchen dürfen ihn erstmals bei der Konfirmation aufsetzen. Unter dem Hut selbst wird eine seidene Haube getragen. Diese wird unter dem Kinn gebunden. Alte Frauen und junge Mädchen tragen nur diese Haube.
Die Gutachtaler Tracht
Neben dem auffälligen Hut gehört eine weiße Bluse zur Gutachtaler Tracht. Ein schwarzer, glänzender Rock sowie ein Mieder mit eingewebtem Blümchenmuster vervollständigen die Tracht für Frauen. Männer tragen einen breitrandigen Plüschhut sowie einen schwarzen Samtkittel, der rot gefüttert ist.
Weitere Kopfbedeckungen im Schwarzwald
Neben dem Bollenhut gibt es noch zahlreiche andere Kopfbedeckungen unter den Trachten des Schwarzwaldes. Die Kopfbedeckungen der Frauen werden dabei gerne als Bezeichnung der einzelnen Trachtengebiete verwendet. Die Hüte unterscheiden sich dabei teilweise deutlich vom bekannten Bollenhut. Im Markgräferland tragen Frauen zum Beispiel eine Flügelkappe, die sogenannte Chappe, die im Wesentlichen aus einer breiten Schleife besteht. Im Schuttertal wird die Goldhaube getragen. Diese Kappe ist mit bunten Steinchen und Goldspitze geschmückt und wird von einem schwarzen Tüllschleier umrandet. Besonders imposant ist der Schäppel. Dieser Hut besteht aus einem mit farbigem Schmuckband umwickelten Metallgestell, in das künstliche Blumen, Flittergold, Blechstücke, Münzen und vieles mehr eingeflochten werden.
